
Einsatz von Ortungstechnologien und Einführung erforderlicher Prozesse im Hilfesystem von Menschen mit Weg- oder Hinlauftendenz bzw. Desorientierung
Kurze Zusammenfassung
Der Fall beschreibt den Einsatz eines Ortungssystems. Das System soll die Mitarbeitenden informieren, wenn die Person eine bestimmte Grenze überschreitet oder das Gelände verlässt.
Ebenfalls können die Mitarbeitende über das System kontrollieren, wo sich eine Person aufhält.
Ausgangspunkt ist die kognitive Einschränkung aufgrund von Krankheit oder fortschreitendem Alter. Die Person verlässt das Haus, überschreitet Grenzen und ist nicht mehr in der Lage, sich selbst zu orientieren und Hilfe anzunehmen.
Ziel war die Aufenthaltsbestimmung der Person und das frühzeitige Informieren der Mitarbeitenden beim Verlassen der vorgegebenen Bereiche.
Die Person führt ein Ortungssystem mit sich, um dessen Aufenthaltsort bestimmen zu können.
Problembereich
Der Fall ist den Bereichen Patientensicherheit, der Gefährdung durch Weglauftendenz, der Pflegediagnostik, dem Pflegeprozess sowie im ethisch-rechtlichen Spannungsfeld zwischen Schutz und Selbstbestimmung bei kognitiv eingeschränkten Menschen zuzuordnen. Die Person hat eine starke Weglauftendenz. Sie verlässt an sehr unruhigen Tagen die Wohnung bzw. das Haus. Sie ist nicht verkehrssicher und auch schlecht orientiert. Es kann passieren, dass die Person in einen Bus steigt und nicht weiß, wo sie wieder ausgestiegen ist. An solchen Tagen ist die Person nicht in der Lage Hilfe anzunehmen und aufgrund fehlender adäquater Lautsprache kann sie sich selbst keine Hilfe holen.
Ebenfalls wissen die Mitarbeitenden nicht, wo sich die Person in der Zeit aufhält. Die Aufenthaltsbestimmung beansprucht Zeit- und Personalressourcen.
Ort der Umsetzung
Ausgangssituation
Ziel
Bedarf
Flankierende Bedürfnisse
- Das Gerät muss robust, wetterbeständig und sturzsicher sein.
- Das Gerät kann von der Person nicht selbstständig aus einer Befestigung gelöst werden.
- Die Person muss das Ortungssystem täglich bei sich tragen/ Akzeptanz zur Technologie.
- Mitarbeitende müssen in die Technologie eingewiesen werden.
- Mitarbeitende sollten informiert werden, sobald die Person die Grenze überschreitet.
- Das Gerät muss auch im Keller oder bei dicken Gemäuern funktionieren.
- Richterlicher Beschluss zur Ortung – Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) in Form von Ortung
Eingesetzte Technologie
Herausforderungen im Betrieb
- Akku-/ Batterielaufzeit des Geräts
- Ortungs- und Informationsfunktion auch im Keller oder bei dicken Gemäuern
- Einmalige Anschaffungskosten
- Laufende Kosten durch SIM-Karte mit mobilen Daten (Abo)
- Befestigungsmöglichkeiten des Trackers
- Die Umgebung muss mit einem funktionierendem Wlan ausgestattet sein
- Festlegung der Bereiche für jede betroffene Person
Ressourcen
- Einweisung des Pflegepersonals in die Technologie
- Bedienbarkeit des Systems durch das Pflegepersonal
- Einführung systematischer Abläufe bei weggelaufenen Personen (Was sind die nächsten Schritte? Was ist zu tun? Wer macht was? Meldewege?)
Pflegefachlicher Bezug
Ergebnis
Der Einsatz des Ortungssystems führt zu einem deutlichen Erhalt und der Förderung der Patientensicherheit und trägt zur Reduzierung der Gefährdung (Sturz, Verkehrsunfall, Unterkühlung, Verlust, Ausbeutung etc.) durch die Weglauftendenz. Der Tracker funktioniert über GPS und das Handynetz. Sollte das GPS ausfallen, ist das Handynetz aktiv. Routen und Positionen können via App genau verfolgt werden. Der Tracker selbst ist sehr robust und wasserdicht. Über den Tracker kann auch ein Notruf an die App abgesetzt werden und so das Umfeld schnell reagieren. Über die App können Zonen festgelegt werden. Das Umfeld wird informiert, wenn die getrackte Person diese verlässt. Dies ermöglicht es den Mitarbeitenden/ dem Umfeld weitere Tätigkeiten durchzuführen. Sie müssen durch den Einsatz des Ortungssystems nicht mehr regelmäßig den Aufenthaltsort der Person beobachten und kontrollieren, da sie mittels App darüber informiert werden, sobald die Person die definierten Zonen verlässt. Dies ermöglicht neue Zeit- und Personalressourcen.
Im Rahmen des Pflegeprozesses muss die Information zur Hin- bzw. Weglauftendenz erkannt, dokumentiert und passende Maßnahmen definiert und umgesetzt werden.