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Eine Pflegefachperson stützt eine Seniorin beim Aufstehen.

Einsatz eines passiven Exoskeletts zur Entlastung und Unterstützung der Rückenmuskulatur sowie der Lendenwirbelsäule von Pflegekräften bei Hebe- und Tragetätigkeiten im Pflegealltag

Kurze Zusammenfassung

Der Fall beschreibt den Einsatz des passiven Exoskelettsystems Paexo Soft Back im Pflegepraxiszentrum Nürnberg/ NürnbergStift.

Lisa ist 32 Jahre alt und als Pflegefachperson tätig. In ihrem Arbeitsalltag ist sie regelmäßig hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Diese Belastungen führen häufig zu Muskel-Skelett-Erkrankungen, vor allem im Bereich des Rückens, der Schultern und Knie.

Das passive Exoskelett Paexo Soft Back ist ein tragbares Assistenzsystem, das am Körper getragen wird und mechanisch auf diesen einwirkt, Bewegungen oder Körperhaltungen unterstützt und Belastungen reduziert.

Elastische und dynamische Materialeigenschaften und eingearbeitete Stabilisatoren im Lendenbereich ermöglichen Lisa ein rückengerechtes Arbeiten im Pflegealltag, indem sie ihre Körperhaltungen bzw. die Bewegung unterstützen.

Ziel ist es, Lisas körperliche Belastungen nachhaltig zu reduzieren, ihre Gesundheit zu fördern und ihre langfristige Arbeitsfähigkeit zu sichern.

Problembereich

Der Fall ist den Problembereichen Arbeitssicherheit und Arbeitsentlastung zuzuordnen.

Hohe körperliche Belastungen sind für Lisa ein täglicher Begleiter im Pflegealltag. Hierzu zählen wiederholtes Heben, Umlagerungen, Mobilisierung sowie der Transfer von Bewohnerinnen und Bewohnern. Lisa arbeitet dabei häufig in ungünstigen Körperhaltungen. Diese Belastungen führen zu Muskel-Skelett-Erkrankungen, vor allem im Bereich des Rückens, der Schultern und Knie. Die Folge sind krankheitsbedingte Ausfälle, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und langfristig eine erhöhte Fluktuation im Pflegepersonal. Präventive Maßnahmen stoßen im Alltag oft an Grenzen, da ergonomisch korrektes Arbeiten unter Zeitdruck nicht immer umsetzbar ist und technische Hilfsmittel nicht für jede Situation verfügbar oder praktikabel sind.

Ort der Umsetzung

NürnbergStift/ PPZ Nürnberg

Ausgangssituation

Lisa ist im Arbeitsalltag regelmäßig hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Diese entstehen insbesondere durch wiederholtes Heben, Umlagern und Mobilisieren von Bewohnern sowie durch Arbeiten in ergonomisch ungünstigen Positionen.

Die Folge regemäßiger Fehl- und Überbelastungen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Rückens, der Schultern und der Knie.

Ergonomisches Arbeiten ist für Lisa unter Zeitdruck nicht immer umsetzbar und vorhandene Hilfsmittel sind nicht in allen Situationen praktikabel.

Ziel

Ziel ist es, Lisas körperliche Belastungen im Pflegealltag nachhaltig zu reduzieren sowie ihre Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit zu fördern.

Durch den Einsatz des passiven Exoskeletts Paexo Soft Back soll eine nachhaltige Reduktion ihrer körperlichen Belastungen erreicht werden, gemessen an ihren Bewertungen zu Tragekomfort, Entlastungsgrad, Integration in Arbeitsabläuft, Nutzen im Alltag, An-/ Ablegedauer, Arbeitssicherheit und durchschnittlicher täglicher Tragedauer.

Langfristig soll Lisas Arbeitsfähigkeit erhalten und die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden.

Von der Maßnahme profitieren vor allem die Pflegefachpersonen.

Bedarf

Das zum Einsatz kommende Exoskelett Modell Paexo Soft Back unterstützet gezielt Lisas muskuläre Körperfunktionen, insbesondere beim Heben, Stabilisieren und bei dynamischen Transferbewegungen.

Dabei soll es Kräfte umverteilen und körperliche Belastung reduzieren, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Darüber hinaus darf kein Verletzungsrisiko für Lisa und die Bewohnerinnen und Bewohner bestehen.

Flankierende Bedürfnisse

Organisatorisch ist ein hoher Tragekomfort entscheidend, sodass das Exoskelett über eine gesamte Schicht hinweg getragen werden kann. Aus hygienischen Gründen erhält Lisa ihr eigenes Exoskelett. Damit ist das Exoskelett bereits auf ihre Körpermaße passgenau eingestellt, sodass das An- und Ablegen schnell und unkompliziert erfolgt (ca. 20–30 Sekunden). Das Exoskelett kann sowohl unter als auch auf der Arbeitskleidung getragen werden und verursacht keine Druck- oder Reibestellen. Jedoch sollte aus hygienischen Gründen das Tragen auf der Haut vermieden werden.

Bei Beendigung der Arbeitstätigkeit ist darauf zu achten, dass das Exoskelett der Einrichtung wieder ausgehändigt wird.

Technisch sind Schulungen zur sicheren Anwendung sowie Hinweise zur Pflege und Reinigung notwendig. Hierfür liegt jedem Exoskelett eine Kurzanweisung bei. Zudem muss die individuelle Anpassung an den Körper gewährleistet sein, da Gewichtsschwankungen die Passform beeinflussen können.

Das Paexo Soft Back kann selbstständig von Lisa angezogen werden und bedarf keiner zusätzlichen Hilfe durch ihre Kollegen.

Sozial zeigte sich eine hohe Akzeptanz. Lisa nutzt das System durchgehend während ihrer Schicht. Das entspricht einer Tragedauer von 6-8 Stunden. Die Bewohnerinnen und Bewohner nehmen das Exoskelett größtenteils nicht wahr, da es unter der Arbeitskleidung getragen werden kann.

Eingesetzte Technologie

Zum Einsatz kommt das passive Exoskelettesystem Paexo Soft Back.

Das Modell wird um die Tallie, ähnlich einem Lendengurt beim Motorradfahren oder Gewichtheben, getragen und wurde speziell für stehende Hebetätigkeiten entwickelt. Das Material ist sehr elastisch und bietet in der Rückenbandage fünf flexible Stabilisatoren, die senkrecht eingearbeitet sind. Sie unterstützt die Hebetätigkeit, korrigiert die Körperhaltung und dient als Stützfaktor. Hierbei wird die Haltung im unteren Rückenbereich durch Kompression korrigiert und bei Tragetätigkeiten entlastet. Das Modell ist in den Größen S bis XXXL erhältlich und hat ein Gewicht von ca. 500 Gramm.

Herausforderungen im Betrieb

Im Rahmen der Einführung kam es zu keinen nennenswerten Problemen oder Konflikten mit bestehenden Abläufen.

Die Implementierung erfolgte nach einer 40-tägigen Erprobungsphase. Aufgrund der positiven Ergebnisse wurde die Maßnahme direkt in den Regelbetrieb überführt.

Technische Herausforderungen beschränkten sich auf die einmalige individuelle Einstellung des Systems. Datenschutzbezogene Probleme traten nicht auf. Rechtliche Haftungsangelegenheiten wurde mit einem Vertrag zwischen Lisa und der Einrichtung abgesichert. Darin heißt es, dass Lisa für das Tragen und den darauf resultierenden Folgen selbst verantwortlich ist.

Ressourcen

  • Personell sind Pflegekräfte sowie geschulte Multiplikatoren in die Umsetzung eingebunden.
  • Technisch steht das Exoskelett Paexo Soft Back zur Verfügung. Das Modell hat eine Nutzungsdauer von etwa 2,5 bis 3 Jahren.
  • Organisatorisch wird die Maßnahme durch interne Strukturen sowie durch Schulungen unterstützt. Lisa verfügt über die notwendigen Kompetenzen zur Anwendung des Systems, die durch eine Einweisung vermittelt wurden.
  • Die Finanzierung erfolgte über Fördermittel im Rahmen einer Projektförderung des PPZ-Nürnberg durch das Bundesministerium für Technologie, Forschung und Raumfahrt (BMFTR).
  • Manche Exoskelette sind auch als Hilfsmittel verfügbar und können über medizinische Versorger bezogen werden. Daher empfiehlt sich ein kurzer Blick in den Hilfsmittelkatalog.

Pflegefachlicher Bezug

Es besteht ein indirekter pflegerischer Bezug. Die Maßnahme wirkt sich primär auf Lisas Arbeitsbedingungen aus, wodurch mittelbar die Pflegequalität stabilisiert und langfristig gesichert werden kann.

Ergebnis

Die gesetzten Ziele wurden erreicht. Seit 2022 trägt und nutzt Lisa das Paexo Soft Back dauerhaft im Arbeitsalltag und es besteht eine weitere aktive Nachfrage ihrer Kolleginnen und Kollegen. Auch Pflegeschüler nutzen bereits das Modell (Stand Oktober 2025).

Es zeigen sich folgende Effekte:

Lisa berichtet von einer spürbaren körperlichen Entlastung, einer verbesserten Körperhaltung und Bewegungsausführung sowie einem hohen Tragekomfort und mehr Arbeitssicherheit.

Ohne Mehraufwand und einer geringen An- und Ablegedauer kann Lisa das System stabil in ihre Arbeitsabläufe im Pflegealltag integrieren.

Lisa berichtet von einer deutlichen Verbesserung ihrer Körperhaltung und körperlichen Belastungssituation. Gerade die Zeit nach der Erprobung, in der Lisa kein Exoskelett mehr trug, zeigte deutlich, wie intensiv sie das System im Pflegealltag unterstützte. Lisa spürte, welchen positiven Einfluss es auf ihre Körperhaltung hat und wie sehr es die körperliche Belastung bei der Ausübung ihrer pflegerischen Tätigkeiten reduziert.

Die Pflegeprozesse wurden kaum verändert, da der Zeitaufwand für das Anlegen der Systeme minimal ist. Gleichzeitig wird eine klare Arbeitsentlastung durch die Unterstützung bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten erreicht.

Insgesamt zeigt sich die Maßnahme als gut übertragbar auf andere stationäre und ambulante Pflegesettings, wobei insbesondere die organisatorische Integration (gerade im ambulanten Bereich) und Eigenverantwortung der Nutzenden berücksichtigt werden müssen.