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Eine Pflegefachperson mit medizinischer Maske und Hygienehandschuhen richtet das Kopfkissen auf einem Pflegebett.

Reduktion körperlicher Belastungen von Pflegekräften durch den Einsatz eines passiven Exoskeletts im Pflegealltag

Kurze Zusammenfassung

Der Fall beschreibt den Einsatz des passiven Exoskeletts Rakuni N-Ippin im Pflegepraxiszentrum Nürnberg/ NürnbergStift.

Jonas ist 38 Jahre alt und als Pflegefachperson tätig. In seinem Arbeitsalltag ist er regelmäßig hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Diese Belastungen führen häufig zu Muskel-Skelett-Erkrankungen, vor allem im Bereich des Rückens, der Schultern und Knie.

Das passive Exoskelett Rakuni N-Ippin ist ein tragbares Assistenzsystem, das am Körper getragen wird und mechanisch auf diesen einwirkt, Bewegungen oder Körperhaltungen unterstützt und Belastungen reduziert.

Elastische und dynamische Materialeigenschaften ermöglichen Jonas ein rückengerechtes Arbeiten im Pflegealltag, indem sie seine Körperhaltungen bzw. die Bewegungen unterstützten.

Ziel ist es, Jonas körperliche Belastungen nachhaltig zu reduzieren, seine Gesundheit zu fördern und seine langfristige Arbeitsfähigkeit zu sichern.

Problembereich

Der Fall ist den Problembereichen Arbeitssicherheit und Arbeitsentlastung zuzuordnen.

Hohe körperliche Belastungen sind für Jonas ein täglicher Begleiter im Pflegealltag. Hierzu zählen wiederholtes Heben, Umlagerungen, Mobilisierung sowie der Transfer von Bewohnerinnen und Bewohnern. Jonas arbeitet dabei häufig in ungünstigen Körperhaltungen. Diese Belastungen führen zu Muskel-Skelett-Erkrankungen, vor allem im Bereich des Rückens, der Schultern und Knie. Die Folge sind krankheitsbedingte Ausfälle, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und langfristig eine erhöhte Fluktuation im Pflegepersonal. Präventive Maßnahmen stoßen im Alltag oft an Grenzen, da ergonomisch korrektes Arbeiten unter Zeitdruck nicht immer umsetzbar ist und technische Hilfsmittel nicht für jede Situation verfügbar oder praktikabel sind.

Ort der Umsetzung

NürnbergStift/ PPZ Nürnberg

Ausgangssituation

Jonas ist im Arbeitsalltag regelmäßig hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Diese entstehen insbesondere durch wiederholtes Heben, Umlagern und Mobilisieren von Bewohnern sowie durch Arbeiten in ergonomisch ungünstigen Positionen.

Die Folge regemäßiger Fehl- und Überbelastungen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Rückens, der Schultern und der Knie.

Ergonomisches Arbeiten ist für Jonas unter Zeitdruck nicht immer umsetzbar, und vorhandene Hilfsmittel sind nicht in allen Situationen praktikabel.

Ziel

Ziel ist es, Jonas körperlicher Belastungen im Pflegealltag nachhaltig zu reduzieren sowie seine Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit zu fördern.

Durch den Einsatz des passiven Exoskeletts Rakuni N-Ippin soll eine nachhaltige Reduktion seiner körperlichen Belastungen erreicht werden, gemessen an seinen Bewertungen zu Tragekomfort, Entlastungsgrad, Integration in Arbeitsabläuft, Nutzen im Alltag, An-/ Ablegedauer, Arbeitssicherheit und durchschnittlicher täglicher Tragedauer.

Langfristig soll Jonas Arbeitsfähigkeit erhalten und die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden.

Von der Maßnahme profitieren vor allem die Pflegekräfte.

Bedarf

Das zum Einsatz kommende Exoskelett Modell Rakuni N-Ippin unterstützt gezielt Jonas muskuläre Körperfunktionen, insbesondere beim Heben, Stabilisieren und bei dynamischen Transferbewegungen.

Dabei soll es Kräfte umverteilen und körperliche Belastung reduzieren, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Darüber hinaus darf kein Verletzungsrisiko für Jonas und die Bewohnerinnen und Bewohner bestehen.

Flankierende Bedürfnisse

Organisatorisch ist ein hoher Tragekomfort entscheidend, sodass das Exoskelett über eine gesamte Schicht hinweg getragen werden kann. Aus hygienischen Gründen erhält Jonas sein eigenes Exoskelett. Damit ist das Exoskelett bereits auf seine Körpermaße passgenau eingestellt, sodass das An- und Ablegen schnell und unkompliziert erfolgt (ca. 20–30 Sekunden). Das Exoskelett kann sowohl unter als auch auf der Arbeitskleidung getragen werden und verursacht keine Druck- oder Reibestellen. Jedoch sollte aus hygienischen Gründen das Tragen auf der Haut vermieden werden.

Bei Beendigung der Arbeitstätigkeit ist darauf zu achten, dass das Exoskelett der Einrichtung wieder ausgehändigt wird.

Technisch sind Schulungen zur sicheren Anwendung sowie Hinweise zur Pflege und Reinigung notwendig. Hierfür liegt jedem Exoskelett eine Kurzanweisung bei. Zudem muss die individuelle Anpassung an den Körper gewährleistet sein, da Gewichtsschwankungen die Passform beeinflussen können.

Das Rakuni N-Ippin kann selbstständig von Jonas angezogen werden und bedarf keiner zusätzlichen Hilfe durch seine Kollegen.

Sozial zeigte sich eine hohe Akzeptanz. Jonas nutzt das System durchgehend während seiner Schicht. Das entspricht einer Tragedauer von 6-8 Stunden. Die Bewohnerinnen und Bewohner nehmen das Exoskelett größtenteils nicht wahr, da es unter der Arbeitskleidung getragen werden kann.

Eingesetzte Technologie

Zum Einsatz kommt das passive Exoskelettesystem Rakuni N-Ippin.

Das Exoskelett Rakuni N-Ippin ist ein ca. 250 Gramm schweres Gurtsystem, das über den oberen Rücken und Brustbereich sowie über das Gesäß bis unterhalb der Knie verläuft. Das Material ist auf Polymerbasis und im Bereich des Rückens sind Elastomergurte integriert, die der großen Belastung der Lendenwirbelsäule und des oberen Rückens beim „Nach-vorne-Beugen“ entgegenwirken. Es findet eine Entlastung des gesamten Rückens bis zu den Oberschenkeln statt. Beim Aufrichten geben die elastischen Gurte die aufgebaute Spannung als Unterstützungskraft bei der Hebetätigkeit zurück. Das Modell ist in den Größen XS bis XL Plus erhältlich.

Herausforderungen im Betrieb

Im Rahmen der Einführung kam es zu keinen nennenswerten Problemen oder Konflikten mit bestehenden Abläufen.

Die Implementierung erfolgte nach einer 40-tägigen Erprobungsphase. Aufgrund der positiven Ergebnisse wurde die Maßnahme direkt in den Regelbetrieb überführt.

Technische Herausforderungen beschränkten sich auf die einmalige individuelle Einstellung des Systems. Datenschutzbezogene Probleme traten nicht auf. Rechtlich Haftungsangelegenheiten wurde mit einem Vertrag zwischen Jonas und der Einrichtung abgesichert. Darin heißt es, dass Jonas für das Tragen und den darauf resultierenden Folgen selbst verantwortlich ist.

Ressourcen

  • Personell sind Pflegekräfte sowie geschulte Multiplikatoren in die Umsetzung eingebunden.
  • Technisch steht das Exoskelett Rakuni N-Ippin zur Verfügung. Das Modell hat eine Nutzungsdauer von etwa 2,5 bis 3 Jahren.
  • Organisatorisch wird die Maßnahme durch interne Strukturen sowie durch Schulungen unterstützt.
  • Jonas verfügt über die notwendigen Kompetenzen zur Anwendung des Systems, die durch eine Einweisung vermittelt wurden.
  • Die Finanzierung erfolgte über Fördermittel im Rahmen einer Projektförderung des PPZ-Nürnberg durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
  • Manche Exoskelette sind auch als Hilfsmittel verfügbar und können über medizinische Versorger bezogen werden. Daher empfiehlt sich ein kurzer Blick in den Hilfsmittelkatalog.

Pflegefachlicher Bezug

Es besteht ein indirekter pflegerischer Bezug. Die Maßnahme wirkt sich primär auf Jonas Arbeitsbedingungen aus, wodurch mittelbar die Pflegequalität stabilisiert und langfristig gesichert werden kann.

Ergebnis

Die gesetzten Ziele wurden erreicht. Seit 2022 trägt und nutzt Jonas das Rakuni N-Ippin dauerhaft im Arbeitsalltag und es besteht eine weitere aktive Nachfrage seiner Kolleginnen und Kollegen. Auch Pflegeschüler nutzen bereits das Modell (Stand Oktober 2025).

Es zeigen sich folgende Effekte:

Jonas berichtet von einer spürbaren körperlichen Entlastung, einer verbesserten Körperhaltung und Bewegungsausführung sowie einem hohen Tragekomfort und mehr Arbeitssicherheit.

Ohne Mehraufwand und einer geringen An- und Ablegedauer kann Jonas das System stabil in seine Arbeitsabläufe im Pflegealltag integrieren.

Jonas berichtet von einer deutlichen Verbesserung seiner Körperhaltung und körperlichen Belastungssituation. Gerade die Zeit nach der Erprobung, in der Jonas kein Exoskelett mehr trugen, zeigte deutlich, wie intensiv ihn das System im Pflegealltag unterstützte. Jonas spürte, welchen positiven Einfluss es auf seine Körperhaltung hat und wie sehr es die körperliche Belastung bei der Ausübung ihrer pflegerischen Tätigkeiten reduziert.

Die Pflegeprozesse wurden kaum verändert, da der Zeitaufwand für das Anlegen der Systeme minimal ist. Gleichzeitig wird eine klare Arbeitsentlastung durch die Unterstützung bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten erreicht.

Insgesamt zeigt sich die Maßnahme als gut übertragbar auf andere stationäre und ambulante Pflegesettings, wobei insbesondere organisatorische Integration (gerade im ambulanten Bereich) und Eigenverantwortung der Nutzenden berücksichtigt werden müssen.